Sucht (Alkohol)

Teil 02: Die Akutphase (Überleben)

Kapitel 03: Der Tag X – Den ersten Stein aus der Mauer brechen

– Entzug, die ersten 24 Stunden und der Beginn der Abstinenz –

Von armin.huenniger 19. March 2026

Viele Betroffene haben jahrelang eine Mauer um ihr Problem gebaut. Der „Tag X“ ist der Tag, an dem du entscheidest, den ersten Stein aus dieser Mauer zu brechen. Es ist nicht der Tag, an dem alles sofort gut wird – es ist der Tag, an dem du aufhörst, die Lüge aufrechtzuerhalten. 

1. Die Entscheidung: Jetzt. 

Der „perfekte Moment“ existiert nicht. Die Sucht wird dir immer sagen: „Nicht heute, morgen ist es besser.“ Du musst lernen, diesen inneren Widerstand zu durchbrechen. Die Entscheidung zur Abstinenz ist keine Verhandlung, sondern eine glasklare Absage an das Gift. 

2. Körperlicher Entzug: Ein Sicherheitsrisiko 

Wir müssen hier extrem deutlich sein: Wenn dein Körper über Jahre an einen hohen Alkoholspiegel gewöhnt ist, ist das plötzliche Absetzen kein harmloses Unterfangen. 

  • Die Gefahr: Schwere Entzugserscheinungen (wie Krampfanfälle oder das lebensbedrohliche Delirium tremens) können eintreten. 

  • Die Lösung: Ein qualifizierter Entzug (stationär in einer Klinik oder unter engmaschiger ärztlicher Aufsicht) ist keine Schande, sondern eine notwendige medizinische Maßnahme. Dein Körper braucht Zeit, um die Übererregung des Nervensystems sicher abzufangen. 

3. Die ersten 24 Stunden: Das Überleben des Augenblicks 

Wenn die medizinische Sicherheit gewährleistet ist, beginnt die psychische Herausforderung. Die ersten 24 Stunden fühlen sich für viele an wie der Entzug einer Droge, die jeden Gedanken kontrolliert hat. 

  • Akzeptiere das Unbehagen: Du wirst unruhig sein, schwitzen, vielleicht schlecht schlafen oder dich gereizt fühlen. Das ist kein „Scheitern“, das ist Heilung. Dein Körper „entgiftet“ buchstäblich. 

  • Minuten-Strategie: Wenn du an den nächsten Tag denkst, bekommst du Angst. Denk nur an die nächste Stunde. Wenn eine Stunde zu lang ist, denk an die nächsten zehn Minuten. 

4. Den ersten Stein brechen 

Wie sieht dieser erste Stein konkret aus? 

  • Umgebung radikal reinigen: Schütte jeden Tropfen Alkohol weg. Wenn der Stoff in deiner Wohnung ist, ist er eine Waffe gegen deinen Willen. 

  • Stille aushalten: Ohne die Betäubung hörst du plötzlich deine eigene Stimme wieder. Das kann unangenehm sein, aber es ist die einzige Basis, auf der du dein neues Leben bauen kannst. 

5. Das Versprechen an dich selbst 

Der „Tag X“ ist der Moment, in dem du die Verantwortung für dein Leben zurücknimmst. Du hörst auf, die Schuld auf Umstände, andere Menschen oder dein Schicksal zu schieben. Du sagst: „Ich lebe heute, ohne mich zu vergiften.“ 

 

Reflexionsfragen zu Kapitel 3 

  • Hast du einen Plan für den medizinisch sicheren Entzug? (Wenn nicht: Bitte kontaktiere noch heute einen Arzt oder eine Suchtberatungsstelle). 

  • Welcher konkrete Schritt wäre für dich das „Wegschütten des ersten Steins“? 

  • Wer aus deinem Umfeld weiß von deinem Plan? Kannst du jemanden benennen, der dich in diesen ersten 24 Stunden nicht verurteilt, sondern begleitet? 

 

 

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